Ingrid und das neue Leben im Schloss von Fai della Paganella

Ingrid und das neue Leben im Schloss von Fai della Paganella
Dienstag 4 August 2020


Ingrid, Baronin de Craigher von Jachelutta, ist eine schöne Frau mit blauen Augen, langen, blonden Haaren und einem eleganten Auftreten, das die blaublütige Geschichte ihrer Familie verrät.

Nachdem wir uns begrüßt haben, fällt mir sofort wieder ein, wie meine Mutter die Baronin beschrieben hat: als zartes kleines Mädchen, blauäugig und mit dicken blonden Locken, das zwei Jahre hintereinander das Jesuskind in der Weihnachtsaufführung des Kindergartens von Fai spielen durfte.

Es ist schön, der Baronin zuzuhören, wenn sie von ihrer Zeit im Schloss erzählt. Sie spricht ein hervorragendes Italienisch, das durch den leichten deutschen Akzent und das R, das sie anders als im Italienischen üblich nicht rollt, besonders charmant wirkt.

Ingrid und ihre Geschwister haben bis 1962 im Schloss gewohnt und sind dann nach Deutschland gezogen. Ihre Großmutter, die Baronin Carla Unterrichter de Rechtenthal, die 1894 geboren wurde, hat dagegen noch bis 1972 im Schloss gelebt.

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Die Großmutter entstammte einer gebildeten und sehr wohlhabenden Familie aus Cividale del Friuli. Sie wurde auf den besten Schulen unterrichtet, beherrschte sechs Sprachen und gehörte zu den ersten Frauen in Europa, die – zu Beginn des 20. Jahrhunderts – einen Universitätsabschluss in Kunstgeschichte und darstellender Kunst erlangten. Sie hatte sich auf Malerei und Bildhauerei spezialisiert. Ihrer Enkelin Ingrid übertrug sie diese Leidenschaft für Kunst, die sich im Schloss in allen Ecken widerspiegelt.

Unterstützt von ihrem Mann Andreas Hahn und den Söhnen Luca und Ben begann Ingrid im Jahr 2017 mit der Renovierung des Erdgeschosses des Schlosses und, zusammen mit ihren Cousins, auch der Schlossfassade. Bei den Arbeiten war sie selbst dabei. Ihr Ziel: die Geschichte ihrer Familie, die zu den wichtigsten Geschlechtern Tirols zählte und im 14. Jahrhundert begann, am Leben zu erhalten. (Gianmichele Spaur-Altmetz, Fürstbischof von Trient von 1696-1725).

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„Ich finde es einfach richtig, dass ein so wichtiges Stück Geschichte auch den Bewohnern der Paganella, die immer so stolz auf ihr „Ciastel“ waren, zugänglich wird und von ihnen gelebt werden kann“, erklärt Ingrid. „Aber auch von Touristen, die sich für historische Wohnsitze interessieren.“

Ingrids Großeltern lag das Dorf Fai della Paganella immer besonders am Herzen; es war eine besondere Verbindung. Während der finsteren Kriegsjahre, als die Dorfbewohner nicht mehr genug zu essen hatten, versorgte sie der Baron Eugenio de Unterrichter, Sohn der letzten Gräfin Spaur, mit Mehl und Obst aus den Gärten des Schlosses von Mezzolombardo, das sich bis 1940 in Familienbesitz befand. Es war das Jahr, in dem sich die Familie definitiv in Fai della Paganella niederließ, und zwar in dem Schlösschen, das bis dahin nur als Jagdresidenz fungiert hatte.

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Bei der Schlossführung mit Ingrid verweilen wir lange im großen Salon, in dem immer noch die perfekt erhaltenen Möbel aus dem 18. Jahrhundert, die restaurierten Fresken und die Portraits der Frauen zu sehen sind, die oft eine sehr wichtige Rolle in den Dynastien der Spaur und de Unterrichter gespielt haben: Einer von ihnen ist der rechte Flügel des Schlosses gewidmet.

Von besonders großem sentimentalem Gehalt ist für Ingrid der Besuch im Garten, der von einer wunderschönen, zinnengeschmückten Wand umgeben ist. Die reifen Johannisbeeren in den Büschen und die friedliche Stille in diesem Garten erinnern sie an die langen Nachmittage, die sie hier mit ihrer Großmutter verbrachte, beim Beerenpflücken und anschließend beim Marmeladekochen.

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„Die Atmosphäre und das Licht hier sind etwas ganz Besonderes“, schwärmt Ingrid. „Meine Familie und ich fühlen uns mit diesem Ort sehr verbunden und kommen her, wann immer unsere Verpflichtungen es erlauben.“

Während Ingrids Großvater, Baron Eugenio de Unterrichter, engeren Kontakt mit den Dorfbewohnern pflegte, auch weil er ihnen bei der Übersetzung wichtiger Unterlagen ins Deutsche half und sich als Anwalt in juristischen Fragen auskannte, war die Großmutter immer mehr durch Strenge und Rigorosität geprägt. Mit ihr, die eine kleine, aber starke Frau war, empfahl es sich, Ordnung und Disziplin zu demonstrieren, wenn man keine strengen Bestrafungen riskieren wollte.

Ingrid hat heute noch gleichermaßen peinliche wie lustige Erinnerungen an früher, als die Großmutter beim Gottesdienst in der Kirche in der ersten Bank saß und unaufmerksamen Kindern das schwere Gebetbuch überzog oder ihren Regenschirm. Niemand im Dorf wagte ihr zu widersprechen.

So wird es eine Schlossbesichtigung voller Überraschungen und zauberhafter Entdeckungen angesichts dieses bedeutenden Stücks Geschichte von Kultur, Reichtum und Menschlichkeit. Aber auch der wiederentdeckte Stolz eines Dorfs wird spürbar, das in seiner Einfachheit Tradition und Natur zu bewahren verstand.

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die geschichte

1620 wurde das Schloss von Ingrids Vorfahren, den Grafen Spaur di Altmetz, als Sommerresidenz und Jagdschloss erbaut. Das Anwesen blieb seither immer in Familienbesitz.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlosch die männliche Linie der Spaur-Altmetz mit den Brüdern Johann Nepomucene und Carl Franz Spaur. Das gesamte Erbe – Schloss Fai in Fai della Pagenella mit den umliegenden Ländereien sowie die Hauptresidenz Schloss Spaur-Altmetz in Mezzolombardo –  gingen an deren Schwester Elisabetta über, die den Graf Eugenio Welsberg heiratete.

Den Besitz erbte schließlich Eugenias Tochter Giovanna Eugenia Welsberg, die sich ihrerseits mit dem Baron Alfredo Unterrichter aus Kaltern vermählte.

Seither ist das Anwesen von Fai auch als „Schloss Unterrichter“ bekannt.

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DER WOHNFLÜGEL


TORRE DEL BARON

Der linke Schlossflügel ist der Familie Unterrichter gewidmet. Gleich im Eingangsbereich befindet sich an der Wand über dem Bett ein lebensgroßes Portrait von Alfred Unterrichter, dem Gatten von Eugenia Spaur. Es stammt aus dem Jahr 1915 und zeigt Alfredo im Alter von 62 Jahren als Offizier im Ruhestand und Präsident des Casinò von Arco, das früher ein Treffpunkt der feinen europäischen Gesellschaft war. Zwei historische Fotografien zeigen außerdem Alfredo mit Eugenie und dem gemeinsamen Sohn Eugenio Karl Franz.

An der Zimmerwand im Norden kann man den gesamten Stammbaum der Unterrichters bewundern.

Franz Sales war vermutlich das bekannteste Mitglied der Familie: Ihm verdanken die Unterrichters die Erhebung in den Stand der Barone im Jahr 1836. Franz Sales war Dichter, Rechtsgelehrter, Politiker und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Er verkörperte für damalige Verhältnisse eine sehr liberale Weltsicht.

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RESIDENZA DELLE CONTESSE

Der Flügel rechts vom Eingang ist den Vorfahren der Familien gewidmet, den Grafen Spaur-Altmetz. In den beiden Schlafzimmern sind Portraits der Spaur-Damen aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Im Gang befinden sich Portraits der Eltern von Elisabetta Spaur. Daneben ist das großartige Wappen der Spaur-Altmetz angebracht: ein springender roter Löwe mit doppeltem Kelch im ersten und vierten Feld, während das zweite und dritte Feld in Silberblau gehalten ist und eine Lanze mit rotem Band zeigt.

Das restaurierte Fresko an der Decke des großen Salons zeigt das Wappen der Verbindung Spaur-Welsberg durch Elisabetta Spaur und Eugenio Welsberg und ist von den Wappen der Familien Spaur, Welsberg und Unterrichter umgeben.


www.castellofai.com
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Ben van Skyhawk

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