Yanez: mit dem Rad von Fai della Paganella bis nach China

Yanez: mit dem Rad von Fai della Paganella bis nach China
Wednesday 14 August 2019


100 Tage, 2 Fahrräder, 10.000 Kilometer und 13 Gipfelbesteigungen

Das große Abenteuer begann am 19. April dieses Jahres – und ging Ende Juli zu Ende. Yanez und sein Fotografenfreund Giacomo sind mit dem E-Bike über 10.000 Kilometer von Italien bis nach China geradelt, auf den Spuren von Marco Polo, und haben dabei in jedem Land, durch das sie kamen, einen Berg erstiegen – entweder zu Fuß oder mit den Tourenskiern. Dafür, dass die Batterien ihrer Bikes immer wieder aufgeladen werden konnten, sorgten Solarpaneele auf den Anhängern, mit denen die zwei Freunde ihr Gepäck transportierten.



„Ich wollte meinen 40. Geburtstag auf ganz besondere Weise feiern. Indem ich mich selbst auf die Probe stelle und etwas Außergewöhnliches zustande bringe, solange der Körper noch mitmacht. Und okay, ein bisschen gefährlich sollte es auch sein“, erzählt Yanez. „Ich wusste genau, dass alles Mögliche passieren konnte. Ich habe überhaupt nicht mitgezählt, wie oft wir die Reifen geflickt haben. Um nicht erst von den äußerst gefährlichen Zuständen einiger Straßen zu sprechen, auf denen wir unterwegs waren. Aber einmal im Leben wollte ich eine wirklich einmalige, unvergessliche Reise machen, und ich habe mir gesagt: jetzt oder nie!“

Die Wüste und die Begegnungen

„Zu den schwierigsten Momenten gehörte mit Sicherheit die Durchquerung der Wüste“, gibt Yanez zu. „An so weite, einsame Landschaften ohne jede Infrastruktur war ich einfach nicht gewöhnt. Es lagen immer so 100 bis 120 Kilometer zwischen einem Ort, an dem wir etwas zu essen bekommen konnten, und dem nächsten. Und unterwegs hatte ich die ganze Zeit im Hinterkopf, dass wir total auf uns gestellt wären, wenn uns jetzt etwas passieren würde. Dass es keinen Hubschrauber geben würde, der uns mal schnell retten könnte, und kein Krankenhaus weit und breit.“


Doch im Gegenzug konnten Yanez und Giacomo immer auf die Hilfe der Menschen bauen. „Uns ist nie Hilfe verwehrt worden, wenn wir gefragt haben. Und wenn jemand die Antwort auf eine Frage nicht wusste, dann rief er das ganze Dorf zusammen, nur um uns weiterhelfen zu können. Die Menschen, die wir getroffen haben, waren nach unseren Maßstäben arm, doch sie haben immer das, was sie besaßen, mit uns geteilt. Die Herzlichkeit und Menschlichkeit, denen wir begegnet sind, haben mich tief bewegt. Die Leute waren natürlich auch fasziniert von unseren Fahrrädern und fast noch mehr von unseren Anhängern. Sowas bekamen sie sonst einfach nicht zu Gesicht!“


Die Bergtouren und die Ankunft in China

Von den Gipfeln, die die die beiden besteigen wollen, war der 7134 m hohe Peak Lenin in Kirgisistan für Yanez vielleicht der wichtigste. Zu seinem großen Bedauern musste er die Tour 300 m unterhalb des Gipfels abbrechen. „Ein schwerer Sturm hat uns zum Abstieg gezwungen. Ich wollte eigentlich nicht aufgeben, aber in dieser Höhe wird dir einfach klar, dass du gegen die Gewalt der Berge nichts ausrichten kannst. Der Abstieg war, glaube ich, der kritischste Moment unserer ganzen Reise. Meine Füße waren eingefroren, von allen Seiten heulte der Wind und ich hatte praktisch keine Kraft mehr. Es war der einzige Moment, in dem ich gedacht habe, dass ich über meine Grenzen hinausgegangen war.“

„Als wir nach China eingereist sind, war das Gefühl, es geschafft zu haben, unsere größte Genugtuung.“ Leider jedoch wurden Yanez und Giacomo von den strengen Gesetzen der chinesischen Regierung dazu gezwungen, in die kirgisische Stadt Osh zurückzukehren, ohne das eigentliche Ziel ihrer Reise erreicht zu haben, Xi’an. „Die Region Xinjiang, in der wir nach China eingereist sind, ist ein Militärgebiet, wo in und außerhalb der Städte ein Checkpoint nach dem nächsten kommt, was immens viel Zeit kostete. Wir konnten deshalb nicht unsere geplanten Etappen fahren – in dem Rhythmus wären wir erst Ende August ans Ziel gekommen! Aber nachdem wir ja unsere 10.000 Kilometer schon geschafft hatten, und nachdem wir in China angekommen waren, haben wir schließlich beschlossen, umzukehren. Bei einer solchen Reise wie der unseren muss man einfach auch verstehen, wann der Punkt gekommen ist, die Sache abzuschließen.“

Die Heimkehr

Im Dorf herrschte große Freude, dass Yanez heil und gesund zurückgekommen ist. Fai della Paganella richtete ihm zur Begrüßung ein großes Fest auf dem Dorfplatz aus, und während er dort saß und von seiner Reise erzählte, näherten sich schüchtern die kleinen Kinder, um an seiner Jacke zu zupfen und „ciao“ zu sagen, gefolgt von ihren Großmüttern, die ihm vor lauter Freude, ihn unversehrt wiederzusehen, immer wieder ins Wort fielen – die ganze Zuneigung der Einheimischen zu ihrem radelnden Helden kam an diesem Abend deutlich zum Ausdruck.

Es ist eine Zuneigung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Als Snowboardlehrer, Runner und Wanderführer, aber auch als Leiter der künstlichen Beschneiung in Paganella vereint Yanez in seinen Berufen die ganze Liebe zu einer Region, in der er geboren und aufgewachsen ist. Aber auch den Wunsch, ihre Schönheit denen zu vermitteln, die zu Besuch kommen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Berge sich für alle Menschen eignen. Manche Leute brauchen nur die richtige Begleitung. Übrigens gibt es durchaus auch Einheimische, die die ganze Schönheit ihrer Umgebung oft gar nicht kennen.“

Und so hat Yanez auch schon wieder damit begonnen, die Menschen auf Entdeckungstour durch die Paganella-Dolomiten zu begleiten. Jedenfalls bis zu seinem nächsten großen Abenteuer. „Meine nächste Reise? Ich hätte da schon so eine Idee für das nächste Jahr... will aber erstmal nichts verraten!“

Das Abenteuer von Yanez und Giacomo können Sie sich von den beiden höchstpersönlich beim Wander-Festival Orme – Il Festival dei Sentieri erzählen lassen.

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